Ausstellung „Betteln und Verkündigen“
Kreuzgang: täglich 8:00 bis 19:00 Uhr
Domkammer: täglich außer montags 11:00 bis 16:00 Uhr

Die Ausstellung „Betteln und Verkündigen“ im Kreuzgang des Paulus-Doms zeigt die Gegenwart und die 400jährige Geschichte des Kapuzinerordens in Münster und der Deutschen Provinz. Damit gibt sie einen alleinigen Einblick in die kapuzinische Geschichte – bisher einmalig.

Zeitungsartikel Quelle: Westfälischen Nachrichten, Münster vom 17. August 2015


Im Jahr 1615 erhalten die „Minderen Brüder der Kapuziner“ (Fratres Minores Capuccinorum) das bischöfliche Privileg zum „Betteln und Verkündigen“ in der Stadt Münster. Damit können sie sie dauerhaft niederlassen. Heute leben von rund 11.000 Kapuzinern weltweit 140 Brüder in Deutschland, davon rund 30 im münsteraner Kloster.

Mit dem Gründungsvater Franz von Assisi startet die Ausstellung, und zu den franziskanischen Wurzeln schlägt sie immer wieder Brücken. Die Ausstellung folgt in einer thematischen Ordnung der bewegten Geschichte des Ordens in zentralen Dokumenten, Bildern und Objekten. Seit ihrer Niederlassung 1615 sind die volksnahen Kapuziner in Münster eine wichtige Stütze in der Rekatholisierung und sie leisten durch Seelsorge und Krankenpflege (v.a. der Pestkranken) soziale Dienste. Über 200 Jahre halten sie ihr Kloster am Standort der heutigen Ägidiikirche. Zwar müssen sie in der Säkularisierung und dem „Kulturkampf“ des 19. Jahrhundert die Stadt verlassen, können aber 1887 das Kloster am heutigen Standort neu gründen: Vor dem Neutor, heute: Kapuzinerstraße. Die erste Hälfte des Zwanzigsten Jahrhundert bringt vor allem eines: Krieg. Von ihrer Feldseelsorge, von Inhaftierungen, Verlusten und Kriegswirren sprechen eindrucksvolle historische Zeugnisse. Nach 1945 wirken sie wiederum in der Volksmission.

Das spirituelle Leben in Bruderschaft ist ein weiteres Thema der Ausstellung. Das Kapuziner-Werden und das Kapuziner-Sein wird in mehreren einzelnen Stationen anschaulich gemacht, Alltag, Regeln und Rhythmus des Klosterlebens erzählt. Brüder berichten vom Klosterleben, zeigen uns einige ihrer ganz persönlichen Schätze und erzählen, wieviel von Franziskus sie heute in sich verspüren. Eine Fotoserie von Kiên Hoang Lê gibt kunstvoll Einblick in das Kapuziner-Leben. Bis in die 1990er Jahre hinein besuchen die Kapuziner Familien zu Hause, fahren zum Sammeln über die Höfe und leisten bei ihren Gängen seelsorgerische Arbeit. „Betteln und Verkündigen“ sind auch hier miteinander verschränkt. In Tonaufnahmen können die Besucher den Erinnerungen der Menschen an die Kapuziner-Besuche nachhören.

Die heutige Arbeit der Kapuziner im breiten sozialen Spektrum wie Armenhilfe und Krankenpflege, in priesterlichen und pfarrdienstlichen Aufgaben, in (kirchen-) politischen Gremien, in Hochschule und Wissenschaft wie der ordenseigenen Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) in Münster zeigt den Orden vor den Aufgaben von Gegenwart und Zukunft.

Bis heute sind die Kapuziner in der Mission in Übersee und in Europa aktiv. Heute geht es vor allem um soziale Arbeit und die menschliche Begegnung. Wir präsentieren u.a. aus der Obhut der Universitäts- und Landesbibliothek Münster eine Auswahl einzigartiger Fotos und Glasplattendias der Missionen im frühen 20. Jahrhundert.

Viele Exponate der Ausstellung stammen aus Archiven und Bibliotheken, Museen, Kirchen und Klöstern, aber es gibt auch überraschende Funde aus wissenschaftlich noch ganz unerschlossenen Beständen, die in der Ausstellung ihren Kontext finden. Die kostbarsten Bücher und Original-Dokumente werden eigens in der Domschatzkammer präsentiert.

Die Ausstellung ist besuchernah konzipiert und bietet neben den historisch-dokumentarischen und künstlerischen Objekten zum Sehen und Hören auch „Dinge zum Anfassen“, zum Mitdenken, zum Mitmachen. Sie ist weitgehend barrierefrei. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!